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Sprinten gegen den schnellsten Mann der Schweiz

Beitrag aus dem Sarganserländer vom 25. Juli 2017

Die zwei Melser Leichtathleten Michael Castelberg und Ralf Kurath haben sich an den Schweizer Meisterschaften im Zürcher Letzigrund an der nationalen Elite um den Rekordhalter Alex Wilson gemessen.

Die Leichtathletik ist im Aufschwung – was für die Schweiz gilt, gilt auch für den Turnverein Mels. Erstmals seit dem Langstreckler Walter Hobi in den achtziger Jahren über 10’000 m war der TV Mels am Freitag und Samstag wieder an den Schweizer Meisterschaften der Elite vertreten. Der 23-jährige Michael Castelberg hatte sich über 100 m qualifiziert, der 21-jährige Ralf Kurath über 200 und 400 m. Beide bekamen es in den Vorläufen mit Alex Wilson zu tun, dem schnellsten Schweizer, dem Kraftpaket mit Wurzeln im Usain-Bolt-Land Jamaica, dem Landesrekordhalter über 100 und 200 m.
Castelberg belegte in der 6. Serie hinter Wilson von den Old Boys Basel und dem Altmeister Andreas Baumann vom LC Zürich den 3. Platz. In 11,08 Sekunden trennten den Studenten der Betriebsökonomie an der HTW Chur nur drei Hundertstel vom Einzug in den Halbfinal. In einem Wettkampf für Lizenzierte war Castelberg noch nie schneller, doch seine persönliche Bestleistung liegt seit der diesjährigen LMM-Vorrunde in Sargans bei 10,90 Sekunden. Nur noch zwei Hundertstel trennen Castelberg vom Vereinsrekord von Hannisepp Kalberer, der es einst an Hallen-SM über 60 m dreimal in die Halbfinals geschafft hatte (mit Bündner Lizenz), aber nie an Freiluft-SM teilgenommen hatte.
Castelberg setzt erst im zweiten Jahr auf die Leichtathletik und hat einen steilen Aufstieg hingelegt. Als Primarschüler war er in der Jugendriege des TV Mels, dann konzentrierte er sich aber in der Juniorenabteilung des FC Mels auf den Fussball. Vor der RS hörte er im FC auf, später folgte er Simon Castelberg, seinem älteren Bruder und Riegenleiter der Leichtathleten, in den Turnverein. Dort hat sich eine starke, topmotivierte Gruppe junger Athleten formiert, die sich gegenseitig antreibt und auch abseits der Sportanlagen und Turnhallen einiges zusammen unternimmt.
«Die Schweizer Meisterschaften waren eine coole Erfahrung», sagt Castelberg. «Auch wenn ich nicht mit einer Halbfinal-Qualifikation gerechnet habe, ist es natürlich schade, dass es so knapp nicht gereicht hat.» Die Vorbereitung sei nicht ganz ideal und die Form im Juni eher noch besser gewesen. Nur um 0,01 Sekunden hatte Castelberg die SM-Limite über 200 m verpasst.
Sogar in zwei Disziplinen hatte Ralf Kurath die Limite unterboten. Über 200 m traf auch er auf Alex Wilson, der später im Final ein Auf und Ab erleben sollte: Fehlstart, rote Karte, Protest, Schweizer Rekordlauf, Disqualifikation und Annullation der nationalen Bestmarke. Zu den Gegnern in der 3. Serie gehörte mit Kariem Hussein auch noch der Europameister von 2014 über 400 m Hürden. In diesem erlesenen Feld belegte Kurath am Samstag in 22,64 den 8. Platz.
Kurath hatte da schon einen 400-m-Einsatz vom Freitagabend in den Beinen. Über die Viertelmeile belegte er in seiner Serie in 50,31 den 6. Platz. Seine persönlichen Bestzeiten über diese Distanzen hat Kurath in diesem Jahr auf 22,31 respektive 49,88 verbessert. Er hatte dank den starken Saisonleistungen am 11. Juli sogar im Vorprogramm von «Spitzenleichtathletik Luzern» – nach Weltklasse Zürich und Athletissima in Lausanne das dritte grosse Meeting der Schweiz – starten dürfen. An den toporganisierten SM war er unter anderem von der «Piste magique» beeindruckt. «Eindrücklich, wie hart die Bahn ist – fast wie Beton», sagt Kurath. «Das hat auch die Achillessehne gemerkt.»
Das grosse Talent von Kurath hatte sich früh offenbart. 2008 war er als Sieger am Migros-Sprint-Final in Chiasso der schnellste Zwölfjährige der Schweiz gewesen. Heute liegen seine grössten Stärken im Langsprint. Kurath studiert in Bern Sport, am Freitagabend trainiert er im Turnverein Mels, unter der Woche zweimal im TV Länggasse Bern. Auch in Bern profitiert Kurath von einer starken Gruppendynamik – in einer grösseren Trainingsgruppe um Silvan Lutz, den SM-Zweiten über 400 m.
Für Castelberg und Kurath folgt nun eine wohlverdiente Wettkampfpause, bevor im Spätsommer weitere Einsätze geplant sind – nicht zuletzt am LMM-Final am 23. und 24. September, an dem die Equipe des TV Mels mit grossen Ambitionen antreten wird.

    

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